Blog

Was wurde eigentlich aus Second Life?

Veröffentlicht von Richard Hable vor 1 Monat, 14 Tagen, 17 Stunden und 39 Minuten in Blog.

nullGegen Ende des Jahres blickt man gerne zurück auf die Themen, die im Laufe des Jahres aktuell waren. Im Bereich des Internets waren 2011 die sogenannten sozialen Netzwerke ständig im Gespräch. Vor allem die große Dominanz von Facebook und die damit verbundenen Datenschutzprobleme sorgten für Aufmerksamkeit.

Interessant ist allerdings auch, wovon nicht mehr die Rede ist: Neben aus der Mode gekommenen Facebook-Konkurrenten betrifft das vor allem virtuelle Gemeinschaften, in denen unabhängig von der realen Welt soziale Interaktionen möglich sind. So war vor einigen Jahren die Plattform „Second Life" in aller Munde. Man erwartete, dass im Internet eine Parallelwelt entstehen würde, gestaltet nach den Wünschen und Phantasien ihrer virtuellen Bewohner. Doch obwohl diese Plattform nach wie vor existiert und cirka eine Million aktiver Teilnehmer zählt, scheinen etablierte und neu entwickelte Netzwerke vor allem auf eine enge Verbindung von realer und virtueller Welt zu setzen, zum Beispiel mit standortbezogenen Diensten.

Wodurch könnte dieser Umschwund verursacht worden sein? Einerseits sind sicher die geänderten technischen Möglichkeiten relevant: Durch die weite Verbreitung leistungsfähiger mobiler Endgeräte sind Netzwerke wie Facebook ideal dazu geeignet, schnell und unkompliziert im Alltagsleben Informationen auszutauschen. Im Gegensatz dazu erfordert die Teilnahme an einer virtuellen Welt üblicherweise die konzentrierte Anwesenheit vor einem stationären Rechner mit großem Bildschirm. Mobilität beschränkt sich hier auf die virtuell vorgespiegelte Welt.

Andererseits sind sicher aber auch die Geschäftsmodelle der Betreiber dafür relevant, was dem Kunden angeboten wird. Während in rein virtuellen Welten die Benutzer Avatare, also frei wählbare grafische Repräsentationen ihrer selbst, anlegen und in ihren Handlungen frei von Beschränkungen ihrer Lebensrealität sind, geben Benutzer von Netzwerken wie Facebook mehr oder weniger freiwillig tatsächliche Informationen über sich selbst und ihre Handlungen in der realen Welt preis. Solche Daten können von den Betreibern natürlich viel besser kommerziell verwertet werden, und so verwundert es nicht, dass der Zugang zu Facebook für die Benutzer kostenlos ist, während Teilnehmer von Second Life reales Geld ausgeben müssen, wenn sie sich in der virtuellen Welt einen eigenen Bereich schaffen möchten.

Welche Zukunft kann man da für Second Life und andere rein virtuelle Netzwerke erwarten? Es ist sicher ein Zeichen für die Nachhaltigkeit solcher Konzepte, dass Second Life immer noch existiert, obwohl es fast völlig aus der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verschwunden ist. Und generell bietet die virtuelle Kommunikation mit Hilfe von Avataren Vorteile, die bei konventionellen Systemen nicht gegeben sind, etwa durch die freie Bewegung im virtuellen Raum, mit der non-verbale Informationen unkompliziert weitergegeben werden können.

Verweise
http://secondlife.com
http://de.wikipedia.org/wiki/Second_Life